„In einer Welt, die überflutet wird von belanglosen Informationen, ist Klarheit Macht.“ 

- Yuval Noah Harari

Das Lokalisationsproblem

Der australische Philosoph Frank Cameron Jackson beschreibt die Aufgabe der Metaphysik oder Ontologie so:

„Die Metaphysik handelt davon, was es gibt und wie es beschaffen ist. Aber natürlich beschäftigt sie sich nicht damit, eine bloße Auflistung dessen, was es gibt und wie es beschaffen ist, zu erstellen. Die Metaphysiker versuchen, eine vollständige Theorie eines Gegenstandsbereiches zu formulieren – des Geistes, der Semantik oder letztlich von allem – mit einer begrenzten Anzahl mehr oder weniger grundlegender Begriffe. Indem sie das tun, folgen sie dem guten Beispiel der Physiker. Die Methodologie ist nicht die, tausend Blumen blühen zu lassen, sondern eher die, mit einer möglichst mageren Diät auszukommen. […] Aber wenn die Metaphysik Verständnis in begriffen einer begrenzten Anzahl von Zutaten zu erlangen versucht, dann ist sie ständig mit dem Problem der Lokalisation konfrontiert. Weil die Zutaten begrenzt sind, werden einige mutmaßliche Merkmale der Welt nicht explizit in ihr auftreten. Die Frage ist dann, ob sie nichtsdestoweniger implizit in der Theorie enthalten sind. Ernsthafte Metaphysik ist zugleich ausschließend und mutmaßlich vollständig, und die Verbindung dieser beiden Tatsachen bedeutet, dass es eine ganze Menge mutmaßlicher Merkmale der Welt gibt, die Kandidaten entweder für Elimination oder für Lokalisation sind.“

- Frank Jackson: Armchair Metaphysics (1994). In: J. O´Leary-Hawthorne und M. Michael (Hrsg.): Philosophy in Mind. Dodrecht: Kluwer, S. 23 – 42.[1]

(kursive Hervorhebung von mir)

Jackson wirft hier das Problem der Lokalisation auf. Huw Price nennt es auch das Problem der Platzierung.[2] Es besteht darin, wie man mit den grundlegenden Begriffen einer Theorie alles erfassen kann, was es im Gegenstandsbereich der Theorie gibt - also auch das, was in ihren Grundbegriffen nicht explizit auftritt.

1. Der Funktionalismus

Der Funktionalismus bietet eine attraktive Lösung für das Lokalisationsproblem. Es handelt sich bei ihm um eine metaphysische Theorie über die Natur von höherstufigen Eigenschaften (z.B. chemische, biologische oder mentale Eigenschaften) und ihr Verhältnis zu niederstufigen Eigenschaften (in der Regel: physikalische Eigenschaften). Die Kernidee des Funktionalismus lässt sich in den folgenden drei Thesen zusammenfassen:[3]

(These 1) Die höherstufigen Eigenschaften sind funktionale Eigenschaften. Das heißt sie bestehen darin eine bestimmte kausale Rolle einzunehmen, also unter bestimmten Bedingungen charakteristische Wirkungen zu haben.[4]

(These 2) Die höherstufigen Eigenschaften werden durch niederstufige Eigenschaften realisiert. Das heißt es gibt für jedes Vorkommnis einer höherstufigen Eigenschaft des Typs F eine Konfiguration K von Vorkommnissen von niederstufigen Eigenschaften, deren Relationen untereinander so beschaffen sind, dass sie qua Konfiguration die Wirkungen haben, welche die höherstufige Eigenschaft F charakterisieren. In diesem Sinne realisiert K ein Vorkommnis von F.

(These 3) Die höherstufigen Eigenschaften können multipel realisiert werden. Das heißt es kann für eine höherstufige Eigenschaft F mehrere Konfigurationen von niederstufigen Eigenschaften geben, welche einerseits alle F realisieren, andererseits aber selbst auf verschiedene Weise zusammengesetzt sind und damit unter verschiedene Typen (Klassifikationen) fallen.

Das folgende Beispiel aus der Philosophie der Biologie ist stark vereinfacht, illustriert aber die entscheidenden Kerngedanken hinter den einzelnen Thesen:

(These 1*) Die Eigenschaft, ein bestimmtes Gen zu sein, ist eine funktionale Eigenschaft. Das heißt sie besteht darin eine bestimmte kausale Rolle einzunehmen, also unter bestimmten Bedingungen bestimmte phänotypische Wirkungen in dem betreffenden Organismus zu haben (die, vereinfacht ausgedrückt, Konsequenzen dessen sind, ein Protein eines bestimmten Typs herzustellen).

(These 2*) Die Eigenschaft, ein bestimmtes Gen zu sein, wird durch bestimmte Molekülkonfigurationen realisiert. Das heißt es gibt für jedes Vorkommnis der Eigenschaft, ein bestimmtes Gen zu sein, eine Konfiguration von Molekülen, deren Relationen untereinander so beschaffen sind, dass sie qua Konfiguration die Wirkungen haben, welche die entsprechende genetische Eigenschaft charakterisiert und diese in diesem Sinne realisiert.

(These 3*) Die Eigenschaft, ein bestimmtes Gen zu sein, kann molekular multipel realisiert werden. Das heißt es gibt verschieden zusammengesetzte Molekülkonfigurationen (DNA-Sequenzen), welche alle qua Konfiguration die phänotypischen Wirkungen hervorbringen, welche ein Gen eines bestimmten Typs charakterisieren und deshalb alle trotz ihrer physikalischen Verschiedenheit ein Gen desselben Typs realisieren.

2. Die Lösung des Lokalisationsproblems

Die funktionalistische Strategie zu Lösung des Lokalisationsproblems besteht somit darin, alles dasjenige, was nicht explizit in den grundlegenden Begriffen der Theorie auftritt, durch seine Funktion im Sinne einer kausale Rolle in der Ontologie zu definieren, die durch die grundlegenden Begriffe festgelegt ist.[5]

In unserem Beispiel muss die Eigenschaft, ein bestimmtes Gen zu sein, beispiels-weise nicht explizit in den grundlegenden Begriffen der Theorie beschrieben werden, wenn diese durch eine kausale Rolle von Molekülkonfigurationen definiert und diese wiederum in den grundlegenden Begriffen der Theorie beschrieben werden kann. Anders gesagt: Indem man Gene über ihre funktionalen Rollen definiert, lokalisiert man sie in Molekülkonfigurationen. Bestimmte Molekülkonfigurationen, insofern sie diese Rollen einnehmen, sind Gene.

Betrachten wir ein weiteres Beispiel. Wie wir aus der naturwissenschaftlichen Forschung wissen, gibt es keine fundamentale "Wasser-Materie" im Sinne eines primitiven Stoffes in der Welt. Die Naturwissenschaft hat die antike Sicht der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer abgelöst. Nichtsdestoweniger gibt es Wasser in der Welt. Es gibt Dinge in der Welt, welche die funktionelle Rolle erfüllen, geruchlos, farblos, durstlöschend durch ihre Wirkung auf die Bewegung von Bestandteilen unseres Körpers zu sein usw. Dieses sind Konfigurationen von u.a. H20-Molekülen, welche die Rolle einnehmen, die Wasser charakterisieren.

In genau der gleichen Weise gibt es keinen Élan vital, keinen eigenständigen Lebensstoff; aber es gibt dennoch Organismen in der Welt. Leben ist definiert durch eine funktionale Rolle in Begriffen charakteristischer Bewegungen wie Reproduktion, Reizbarkeit und Anpassung an die Umwelt. Auch diese Rolle ist durch bestimmte Molekülkonfigurationen realisiert, wie wir seit dem Aufstieg der Molekularbiologie im 20. Jahrhundert wissen. Wiederum bedeutet dieses, dass bestimmte Teilchenkonfigurationen die sich in bestimmten charakteristischen Weisen bewegen, Organismen sind. Leben ist damit in bestimmten Molekül-konfigurationen und letztlich in bestimmten Teilchenkonfigurationen lokalisiert.

Wenn wir Gene, Wasser oder Leben in bestimmten Molekülkonfigurationen lokalisieren, sodass sie nichts über diese Molekülkonfiguration hinaus sind, dann bedeutet dies nicht, dass diese Merkmale den betreffenden Konfigurationen als solchen innewohnen. Wenn wir bestimmten Molekülkonfigurationen zuschreiben Gene, Wasser oder ein Lebewesen zu sein, ist diese Aussage nicht wahr aufgrund der intrinsischen Eigenschaften der Moleküle, sondern aufgrund von bestimmten stabilen Regularitäten oder Veränderungen der Konfiguration als Ganzes.[6]

Moleküle können aber auch ihrerseits wieder funktional charakterisiert und in Konfigurationen von Atomen, die eine charakteristische Rolle spielen, lokalisiert werden. Und ein Atom können wiederum anhand kausaler Rollen charakterisiert werden usw. usf. Es kann aber nicht nur funktionale Rollen geben, sonst ergebe sich ein unendlicher Regress. Daher muss es immer noch etwas geben, das die betreffende Rollen realisiert und selbst nicht funktional reduziert werden kann.

Der Funktionalismus sagt uns etwas über die Natur höherstufiger Eigenschaften und über ihre Beziehungen zu niederstufigen Eigenschaften. Aber er sagt nichts über die Natur dieser niederstufigen Eigenschaften. Mit anderen Worten: Der Funktionalismus beinhaltet selbst keine primitive Ontologie. Er ist aber naturwissenschaftlich fundiert, da die Naturwissenschaft ab der Biologie auf dem Niveau der klassischen Genetik die Entitäten in ihrem Gegenstandsbereich funktional klassifizieren und eine Lokalisierung dieser Entitäten in Konfigurationen von Entitäten im Gegenstandsbereich niederstufigerer Disziplinen zulassen. Wenn wir also den Funktionalismus durch eine ebenfalls naturwissenschaftlich fundierte primitive Ontologie anreichern, bekommen wir als Resultat ein naturwissen-schaftliches fundiertes, metaphysisches Gesamtbild von der Welt.

3. primitive Ontologie

Die Ontologie handelt von allem, was es gibt. Eine primitive Ontologie handelt von allem, was als schlechthin seiend angenommen werden muss in dem Sinne, dass es nicht durch irgendetwas anderes abgeleitet bzw. erklärt oder durch seine Funktion für etwas eingeführt werden kann. Erst wenn wir eine primitive Ontologie für den Funktionalismus formuliert haben, haben wir eine Lösung für das Lokalisationsproblem. Denn erst dann besitzen wir Begriffe von grundlegend oder ursprünglich Seiendem, das kausale Rollen einnimmt und somit die höherstufigen Eigenschaften in der Welt realisiert. Was als ursprünglich existierend anzunehmend ist, ist durch den Funktionalismus nicht vorgegeben. Denn eine funktionale Charakterisierung von Eigenschaften ist prinzipiell unabhängig von ihrer ontologischen Realisierung und Beschaffenheit.

Mit anderen Worten: Der Funktionalismus schließt nicht a priori aus, dass auch Roboter oder Außerirdische, die kein Molekül in sich tragen, Wasser oder Gene in sich tragen und Lebewesen sein können. Er ist sogar mit einer supra-naturalistischen Ontologie kompatibel, falls nicht-natürliche Entitäten wie zum Beispiel Seelen funktionale Rollen einnehmen oder durch solche beschrieben werden können.[6] Ich selbst lege mich hier allerdings auf eine primitive naturalistische Ontologie fest. Das heißt ich möchte eine primitive Ontologie für den Funktionalismus anhand wissenschaftlicher Methoden und unter berücksichtigen naturwissenschaftlicher empirischer Erkenntnisse formulieren.[7]

Des Weiteren verpflichte ich mich auf eine minimalistische Ontologie. Das heißt, sie soll möglichst wenig als schlechthin seiend annehmen. Der Grund dafür ist einfach: Eine Ontologie soll (explizit oder implizit) alles beinhalten, was es gibt. Umso weniger sie explizit nennt und als schlechthin seiend annimmt, desto mehr kann aus ihr abgeleitet werden und desto höher ist ihre Erklärungskraft.

Es bieten sich jetzt mehrere physikalische Objekte als primitive Entitäten an:

- nulldimensionale Teilchen (Quarks und Leptonen)
- eindimensionale Strings (Stringtheorie)

- Eigenschaften (Bündelontologie)
- Relationen (ontischer Strukturenrealismus)

Die Ontologie kann dann dann entweder humeanisch formuliert werden:[8]

(1) Es gibt primitive Entitäten, welche durch ihre raumzeitlichen Abstandsrelationen individuiert werden.

(2) Es gibt Veränderungen in den Abständen zwischen diesen primitiven Entitäten. Auf diese Weise können Konfigurationen von primitiven Entitäten kausale Rollen einnehmen.

Oder sie wird anti-humeanisch formuliert:

(1) Es gibt primitive Entitäten, deren Wesen darin besteht, bestimmte dispositionale Eigenschaften zu besitzen oder zu sein, also unter bestimmten Bedingungen bestimmte Wirkungen zu haben. Auf diese Weise können Konfigurationen von primitiven Entitäten kausale Rollen einnehmen.

Wenn sich der Raum-Zeit-Relationalismus als ein verheisungsvolles wissenschaftliches Projekt herausstellt, müssen wir Raum und Zeit nicht als primitiv ansehen, sondern können sie in beiden Formulierungen als Lagebeziehungen zwischen den primitiven Entitäten ansehen.

Die anti-humeanische Formulierung der minimalistischen Ontologie erscheint   minimalistischer insofern sie nur eine Sache, nämlich dispositionale Eigenschaften, als primitiv anerkennen muss. Sie kann die kausalen Rollen durch diese primitive Entitäten erklären, insofern das, was diese sind, selbst darin besteht, unter bestimmten Bedingungen bestimmte Wirkungen hervorzubringen, also bestimmte kausale Rollen auszuführen. Die anti-humesche Formulierung muss dahingegen die Veränderung in den Abständen zwischen den primitiven Entitäten selbst auch als primitiv hinnehmen. Denn sie qua ihrer Position nicht behaupten, dass die primitiven Entitäten die Kraft besitzen, diese Veränderungen hervorzubringen.

Die humesche Formulierung hat dennoch einen interessanten Vorteil: Sie kann die Eigenschaften dieser primitiven Entitäten selbst auch in ihren kausalen Rollen im Sinne einer Rolle der Veränderung lokalisieren. Nehmen wir als Beispiel die Eigenschaft der schweren Masse: Die Bewegung der Objekte der Welt weisen einige durchgehende Muster oder Regularitäten auf. Stabile Anziehung kann man als das auffälligste dieser Muster ansehen. Wie es Feynman sagt:

„[…] das alle Dinge aus Atomen aufgebaut sind – aus kleinen Teilchen, die in permanenter Bewegung sind, einander anziehen, wenn sie ein klein wenig voneinander entfernt sind, sich aber gegenseitig abstoßen, wenn sie aneinandergepresst werden.“
- Richard Feynman et al.: Feynman Vorlesungen über Physik. Band 1. Übersetzt von Hein Köhler. (2007), S. Kapitel 1.2.

Dieses stabile Muster ermöglicht es, den Begriff der schweren Masse einzuführen, um dieses regelmäßige Muster zu repräsentieren. Dies schwere Masse ist durch ihre Funktion für die Bewegung der Teilchen definiert, nämlich deren wechselseitige Anziehung. Der Vorteil der humeschen Formulierung ist somit der, dass hier das Wesen der primitiven Entitäten, ihre Eigenschaften, funktional erklärt werden kann wohingegen diese in der anti-humeschen als dispositionale Eigenschaften als etwas primitiv Unerklärliches vorausgesetzt werden. Es ist insofern vielleicht doch nicht klar, welche Formulierung sparsamer ist.

Es gibt noch mehr stabile Muster in der Bewegung der Körper als nur die gravitionelle Anziehung. Es gibt zum Beispiel auch das charakteristische Muster von abstoßender und anziehender Bewegung, das als Elektromagnetismus bekannt ist. Um dieses Muster in einer Theorie darzustellen, führt man einen weiteren Parameter ein, der durch seine Funktion für die Bewegung der Teilchen definiert ist, nämlich die Ladung. Mit Hilfe dieses Parameters kann man dann die Gesetze formulieren, die es ermöglichen, die charakteristische abstoßende und anziehende Bewegung der Körper zu beschreiben, nämlich das Lorentz´sche Kraftgesetz und die Maxwell´schen Gesetze der klassischen Elektrodynamik.

Durch dieses Verfahren einer funktionalen Definition von Parametern wie Masse und Ladung in der humeschen Variante kann man die Masse, Ladung, etc. in dem, was man als grundlegend akzeptiert, nämlich in der Teilchenbewegung lokalisieren: Diese weist bestimmte stabile Muster oder Regularitäten auf, welche durch die Parameter der Masse und Ladung auf den Punkt gebracht werden. Gegeben die Tatsache solcher stabilen Muster oder Regularitäten, ist es nicht erforderlich, Parameter wie Masse und Ladung zu den grundlegenden Begriffen zu zählen und diese als intrinsische Eigenschaften der Objekte anzusehen - etwas, das die Objekte in sich selbst haben, unabhängig von den Beziehungen, in denen sie stehen und deren Veränderung. Masse und Ladung werden in der dieser Varianete durch ihre Rolle für die Bewegung der primitiven Teilchen eingeführt.

Bemerken Sie, dass eine Entität zu lokalisieren im Funktionalismus abstrakt gesprochen bedeutet, sie in einem relationalen Gefüge zu verorten. Der ontische Strukturenrealismus ist unter Experten die derzeit am heißesten diskutierte Position zur Ontologie der Quantentheorie. Und nach dem moderaten ontischen Strukturenrealismus sind Quantenobjekte vollkommen durch das relationale Gefüge charakterisiert, in dem sie stehen.[7] Hier scheinen sich der ontische Strukturenrealismus und der Funktionalismus - vielleicht die zwei populärsten Positionen innerhalb der naturalistischen Metaphysik überhaupt - zu berühren.

Die Naturwissenschaft lehrt uns, dass Wasser, Sand, Gene, Lebewesen, alles nur aus mikroskopischen Entitäten besteht, die kausale Rollen ausführen.
Die Naturwissenschaft lehrt uns, dass Wasser, Sand, Gene, Lebewesen, alles nur aus mikroskopischen Entitäten besteht, die kausale Rollen ausführen.

Fußnoten

[1] siehe auch Jackson (1998), Kapitel 1.

[2] Price (2004).

[3] Esfeld und Sachse (2010), S. 23ff.

[4] und gegebenenfalls eine bestimmte kausale Geschichte – das heißt bestimmte Ursachen – zu besitzen, welche für die betreffenden Eigenschaften ebenfalls charakteristisch sein kann.

[5] Esfeld (2019), Kapitel 2.1.

[6] ebd., S. 86 - 87.

[7] Esfeld (2004)

Hauptliteratur

Frank Jackson: Armchair Metaphysics (1994)

Frank Jackson: From Metaphysics to Ethics. A Defence of Conceptual Analysis (1998)

Michael Esfeld: Quantum entanglement and a metaphysics of relations (2004)
Michael Esfeld und Christian Sachse: Kausale Strukturen (2010)

Michael Esfeld und Dirk-Andre Deckert: A Minimalist Ontology of the Natural World (2017)

Michael Esfeld: Wissenschaft und Freiheit (2019)

Huw Price: Naturalism Without Representationalism (2004)

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Kommentare: 2
  • #1

    Philoclopedia (Samstag, 31 Oktober 2020 22:32)

    Indem der Funktionalismus das Lokalisationsprobelm löst, bietet er eine Erklärung für alles, worauf er anwendbar ist. Wenn man zum Beispiel fragt, wieso es Wasser im Universum gibt, dann ist die Antwort diese: Es gibt H20-Moleküle, die so aneinerandergebunden sind und sich unter normalen Umweltbedingungen so verhalten, dass sie die kausale Rolle erfüllen, die charakteristisch für Wasser ist. Diese Aussage beantwortet die generelle Frage, wieso es überhaupt Wasser im Universum gibt, ebenso wie die spezielle Frage, wieso eine gegebene Flüssigkeit Wasser ist. Diese Aussage ist eine kausale Erklärung: Sie legt dar, wieso bestimmte Teilchenkonfigurationen unter normalen Umweltbedingungen eine bestimmte kausale Rolle erfüllen. Eine solche Erklärung erfasst mithin alles das, was Gegenstand der Einzelwissenschaften ist. Präziser ausgedrückt: Der Gegenstandsbereich der Einzelwissenschaften ist Teil des wissenschaftlichen Bildes der Welt, weil er durch Erklärungen dieses Typs erfasst wird. Durch funktionalistische Erklärungen werden die Gegenstände der Einzelwissenschaften im wissenschaftlichen Weltbild lokalisiert, das durch die physikalischen Grundbegriffe gegeben ist (auch wenn man eine solche Erklärung nicht in jedem Einzelfall im Detail ausarbeiten kann).

    Wenn ein bestimmtes Merkmal der Welt jedoch prinzipiell nicht auf diese Weise erklärt werden kann, dann folgt, dass es überhaupt nicht im wissenschaftlichen Weltbild lokalisiert werden kann; denn der Funktionalismus ist die einzige bekannte, uns zur Verfügung stehende Methode, dies zu tun. Folglich erfordert das betreffende Merkmal dann eine neue, grundlegende ontologische Festlegung, die zu den ontologischen Festlegungen hinzukommt, die das wissenschaftliche Weltbild charakterisieren. Ein bereits angedeutetes Beispiel ist die Debatte um das Bewusstsein: Wenn man die Auffassung vertritt, dass Bewusstsein durch intrinsische, qualitative Merkmale (so genannte Qualia) gekennzeichnet ist, dann weist man eine funktionale Definition des Bewusstseins zurück und schließt damit zugleich aus, dass es mit naturwissenschaftlichen Methoden vollständig erfasst werden kann und Teil des wissenschaftlichen Weltbildes ist. Umgekehrt ist der Funktionalismus gerade deshalb die Hauptströmung in der gegenwärtigen Kognitionswissenschaft, weil er verspricht, das Bewusstsein (und den Geist insgesamt) mit naturwissenschaftlichen Methoden zu behandeln und damit als Teil des wissenschaftlichen Weltbildes zu erweisen.

  • #2

    Philoclopedia (Freitag, 27 November 2020 13:35)

    "Eine Theoriebildung, ja Erfahrungswissenschaft schlechthin, ist in diesem Sinne also automatisch reduktionistisch: Jede Theorie T muss Merkmale des untersuchten Gegenstandsbereiches lokalisieren, die nicht explizit in den als grundlegend akzeptierten Begriffen von T auftreten, sie also auf das, was von diesen Grundbegriffen beschrieben wird, zurückführen. Die Lösung dieser Aufgabe besteht darin, einige Konfigurationen der Dinge, die als grundlegend angesetzt werden, mit diesen Merkmalen zu identifizieren. So sind einige Teilchenkonfigurationen Wasser, andere sind Organismen usw. gegeben normale Bedingungen in der Umwelt. Identität ist symmetrisch: Wenn einige Teilchenkonfigurationen identisch mit Wasser sind, weil sie die Wasser-Rolle unter normalen Umweltbedingungen spielen, dann ist das Wasser, das es im Universum gibt, mit bestimmten Teilchenkonfigurationen identisch. Diese Identität ist, obwohl sie symmetrisch ist, nichtsdestoweniger ein ontologischer Reduktionismus: Alles was es gibt, sind Teilchen und deren Konfigurationen. Aber nur einige spezifische Teilchenkonfigurationen sind Wasser, Organismen usw."


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