Kommentare: 2
  • #2

    Black Polished Chrome (Mittwoch, 14 April 2021 13:52)

    Ich würde gerne Kommentar #1 unter die erkenntnistheoretische Lupe nehmen. Die formulierten Ausdrücke und Argumentationsversuche sind sehr weit verbreitet und zwar nicht nur unter Christ:innen. Vielleicht hilft es einer dritten Person, die Fragen dazu hat. Im Hintergrund ist der Wunsch erkennbar, dass die Autorin die Welt verstehen möchte. Leider wurde eine Methodologie dafür genutzt, die erwiesenermassen nicht zu fundiertem Wissen führen kann: Gefühle, die nach persönlichem Gusto unter Zuhilfenahme übernatürlicher Funktionen und Welten - Mythologie - erklärt werden.

    Es drängt sich auf, die Behauptungen als blosses "Es ist so, wie ich es mir wünsche" abzutun. Doch das, was man glaubt, also als wahr annimmt, sucht sich niemand wahlfrei aus, sondern es liegen Informationen zugrunde, die einen überzeugt haben. Bei Theist:innen, so habe ich nach vielen vielen Gesprächen festgestellt, liegt fast immer die Angst vor der eigenen Nichtexistenz zugrunde bzw. deren Akzeptanz. Der in Kommentar #1 gesetzte Bezug zum Tod und dem Afterlife impliziert, dass auch hier das selbe Phänomen vorzuliegen scheint.

    Auch wenn dem widersprochen wurde, der im Kommentar beschriebene Gott ist der Gott der Bibel, abzüglich jener Eigenschaften, die inzwischen gemeinhin als unmoralisch betrachtet werden. Viele nennen das den Gott des Neuen Testaments, den Gott der sogenannten Nächstenliebe. Dieses Bild ist um Längen emanzipierter als das klassische Bild des biblischen Gottes, in dem Gott über die Moral gestellt wird, die Gott für uns vorgesehen hat. Auf den Wahrheitsgehalt der Idee hat das aber keinen Einfluss.

    Auffälligkeiten im Kommentar (No-Go's)
    - Gott wird dadurch beschrieben, was Gott nicht ist + Liebe. Das ist suspekt und verdeutlicht, dass die angewandte Epistemologie nicht tragfähig ist.
    - Es liegt ein Zirkelschluß vor, was zur Ungültigkeit der Argumentation führt. Erst wird behauptet, dass wir die Liebe von Gott bekommen haben. Dann wird bei Sterbenden Liebe gesehen und (indirekt über die angebliche Existenz des Afterlifes) das als Begründung für die Existenz Gottes herangezogen. Kurz: Gott -> Liebe; Liebe -> Gott.
    - Brüche mit den Grundregeln der klassischen Logik
    - Keine syllogistisch gültige Struktur (deduktiver Schluß somit inakzeptabel)
    - Unbegründete Behauptungen (Das ist halt so; Das fühlt man)
    - Vorschnelle unfundierte Induktion (erkärte Allgemeingültigkeit, nur weil einige Sterbende glücklich erscheinen)

    Fakten
    - Das Gefühl Liebe basiert auf Hormonen und Botenstoffen. Oxytocin fördert die Paarbildung und Mutter-Kind-Bindung.
    - Dass Sterbende heutzutage mehrheitlich "ruhig einschlafen" (glücklich wirken) und nicht schreiend und mit schmerzverzerrtem Gesicht von uns gehen liegt insbesondere an verabreichten Schmerz- und Beruhigungsmitteln.

    Fazit
    Was den Menschen von den meisten anderen Tieren insbesondere unterscheidet ist, dass er sich Dinge in schier unbegrenztem Ausmaß vorstellen kann, die es nicht gibt. Dieses Phänomen, gepaart mit dem Umstand, dass uns unsere Sinne nicht verlässlich sind und dem extremen Bedürfnis erlebten Phänomenen eine Erklärung zuzuordnen, führt unweigerlich dazu, dass wir Unwahrheiten als Wahrheiten akzeptieren. Aus diesem Grunde haben wir die Wissenschaftliche Methode entwickelt. Leider wird diese im allgemeinen Schulunterricht oder im Elternhaus nicht vermittelt. Dieser Umstand ist problematisch und sollte dringend behoben werden. Weiterhin sollte das Paradigma überwunden werden, dass Ausdrücke wie "Das weiss ich nicht" - insbesondere auch sich selbst gegenüber - fast immer nicht akzeptabel sind (Gott der Lücke, argumentum ad ignorantiam). Typisch für den Glauben an Gott ist der Umstand, dass die Gläubigen mehrheitlich Informationen, die ihrer Idee von Gott entgegenstehen ignorieren bzw. nicht die selbe Gewichtung zukommen lassen, wie jenen Informationen, die ihren Glauben bestätigen. Das nennt sich "Confirmation Bias" bzw. Bestätigungs-Bias (Rosinenpicken) und ist genetisch veranlagt. Gegenbeweise werden bei sehr gefestigtem Glauben mitunter gar nicht mehr wahrgenommen. Auch hier sollte unser Bildungssystem dringend angepasst werden, sodass wir Menschen so gut wie möglich auf unsere Fehlbarkeit vorbereitet zu werden, denn das Phänomen spielt auch in nicht-religiösen Kontexten eine enorme Rolle, wenn es darum geht die Wahrheit von der Unwahrheit zu unterscheiden. (Fake-News)

  • #1

    Silvia Hardt (Sonntag, 14 April 2019 11:09)

    Mein Gott ist nie der Gott der Bibel gewesen .
    Die Bibel wurde von Menschenhand geschrieben ,egal wie alt sie ist. Zu der damaligen Zeit , war es wohl normal gegen Frauen zu handeln , Opfer für irgendetwas zu bringen , Kriege zu führen ( heute auch ).
    In meiner Vorstellung ist mein Gott kein Kriegsgott , kein eifersüchtiger Gott , kein Gott der Opfer fordert , denn das was den Menschen ausmacht ist die Liebe in sich.
    Die kommt von einer geistigen Macht. Ob diese Macht sich Gott nennt oder wie auch immer , keine Ahnung .
    Aber man spürt doch , dass da etwas großes ist , der in uns ist. Diese Liebe kann man besonders an sterbende erleben , die den Blick in eine andere Welt haben. LG


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