„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Von Juristen und Robotern

Spielfilme und Fernsehserien vermitteln den Eindruck, Anwälte würden ihre Tage bei Gericht verbringen, wo sie "Einwand, Euer Ehren!" rufen und leidenschaftliche Plädoyers halten. Doch die meisten ganz gewöhnlichen Juristen sind die meiste Zeit damit beschäftigt, Aktenberge zu studieren sowie nach Präzedenzfällen, Gesetzeslücken und winzigen, potenziell relevanten Beweisstücken zu suchen. Einige wollen unbedingt herausfinden, was in der Nacht passierte, als Max Mustermann ermordet wurde, oder formulieren einen ziegelsteindicken Geschäftsvertrag, der ihren Klienten vor jeder vorstellbaren Eventualität schützt.

Diese Arbeiten können potentiell algorithmisiert, also von Künstlichen Intelligenzen erbracht werden. In Folge würden viel weniger Juristen auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Die Beratungsfirma McKinsey schätzte schon 2017, dass etwa 22 Prozent der Arbeit von Anwälten und 35 Prozent der Arbeit von Rechtshelfern mit Hilfe von KIs automatisiert werden könnte. Die KIs werden anhand von Millionen von Dokumenten und Fallbeispielen und juristischen Anträgen trainiert. Danach kann eine KI diejenigen Dokumente markieren, die ein Jurist für seinen Fall braucht; oft besser, als dies ein Mensch könnte.  Und JPMorgan gab bekannt, die KI Contract Intelligence einzusetzen, welche nach eigenen Aussagen eine Menge von Daten in Sekunden analysieren kann, wofür Juristen und Rechtshelfer 360.000 Stunden benötigen würden.

Bildurheber: onaeg news agency (CC BY-SA 4.0).
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