„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Ludwig Wittgensteins Bildtheorie der Wahrheit

Die Korrespondenztheorie der Wahrheit behauptet, dass ein Satz S wahr ist, gdw. er mit einer Tatsache übereinstimmt.

Formal: "X: S ist wahr gdw. $t(t ist eine Tatsache & stimmtüberein (S, t)).

Frage: Was bedeutet "Übereinstimmung" mit einer Tatsache?

Ludwig Wittgensteins Bildtheorie: Der Satz ist ein "Bild" einer Tatsache.

i. Semantische Bedingung: Die Teilelemente eines Satzes stehen für entsprechende Teilelemente der Tatsachen "Die Katze sitzt auf der Matte."

ii. Strukturgleichheits-Bedingung: Die Teilelemente eines Satzes sind untereinander genauso angeordnet wie die Teilelemente der Tatsache. 

Wenn ein Satz S die Teilbedingungen i. und ii. erfüllt, dann ist S wahr.

Kritik

I. Universalienproblem: Es ist umstritten, dass es neben Einzelgegenständen wie Katzen und Matten auch Universalien wie Eigenschaften oder Relationen (wie der des Auf-etwas-Sitzens) gibt.

à Gibt es tatsächlich die Tatsache "auf etwas Sitzen" in der Welt?

II. Das Problem fehlender korrespondierender Tatsachen:

a. Negative, wahre Sätze: "Bello sitzt nicht auf der Matte."

b. Existenzsätze: "Es gibt eine Katze, die auf der Matte sitzt."

c. Kontrafaktische Sätze: "Bello könnte auf der Matte sitzen."

d. Probabilistische Sätze: "Höchstwahrscheinlich sitzt die Katze auf der Matte."

e. Mathematische Sätze: "2+2=4."

à Es gibt keine (offensichtlichen) Tatsachen in der (empirischen) Welt, die mit diesen Sätzen übereinstimmen (könnten). Trotzdem scheinen sie wahr zu sein.

iii. Das Slingshot-Argument:

Bildtheorie: Die Teilausdrücke eines Satzes stehen für etwas in der Welt.
Extensionalitätsbedingung: Wenn man einen Teilausdruck eines Satzes durch einen anderen ersetzt, der für dasselbe steht, dann korrespondiert der Satz, der sich daraus ergibt, mit derselben Tatsache wie der ursprüngliche Satz.

a. Scott ist der Autor von Waverly.

b. Scott ist der, der 29 Waverly-Novellen geschrieben hat.

c. Die Anzahl von Scotts Waverly-Novellen ist 29.

d. Die Anzahl der Verwaltungsbezirke in Utah ist 29.

e. Utah hat 29 Verwaltungsbezirke

à Die Teilausdrücke in a. - e. stehe nicht alle für diesselbe Tatsachen in der Welt. Also muss die Bildtheorie und oder die Extensionalitätsbedingung falsch sein.

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