„In einer Welt, die überflutet wird von belanglosen Informationen, ist Klarheit Macht.“ 

- Yuval Noah Harari

Karl Popper über die Wertfreiheitsthese

Das Wertfreiheitsideal der Wissenschaft gibt es in mindestens zwei Varianten:

1. Output: Die Wissenschaft macht keine Wertaussagen (Max Weber).[1]

2. InputDie wissenschaftlichen Methoden müssen so ausgelegt sein, dass keine Wertüberzeugung Einfluss auf ihre Ergebnisse hat (Karl Popper).

Die erste These wird damit begründet, dass jeder Versuch, Wertaussagen durch positive Tatsachen zu begründen, an einem Sein-Sollen-Fehlschluss scheitert.

Die zweite These wurde populär von Karl Popper vertreten und begründet:

Popper kontrastiert hier zunächst außerwissenschaftliche von innerwissenschaftlichen Werten. Zur ersten Kategorie zählte er die "menschliche Wohlfahrt", das "Problem der nationalen Verteidigung", "industrielle Entwicklung" und schließlich "persönliche Bereicherung". Unter der zweiten Kategorie subsummiert er die "Wahrheit als leitender wissenschaftlicher Wert", aber auch Werte wie Relevanz, Interesse einer Hypothese relativ zu der Problemlage und epistemische Werte wie Konsistenz, Akkuratheit und Reichweite.

Einige Bereich in der Wissenschaftspraxis sind nach Popper nicht nur faktisch nicht frei von außerwissenschaftlichen Werten (z.B. Fragen der Themenauswahl).

Sie sollten es praktisch auch gar nicht sein! Denn dies würde zum einen die Kreativität und damit letztendlich auch das Menschsein des Forschers zerstören. Zum anderen sollten z.B. bei Fragen der Maleriaforschung oder der Anwendung von Nukleartechnologie außerwissenschaftliche Werte natürlich eine Rolle spielen!

Es ist nach Popper jedoch von kardinaler Wichtigkeit, im besonderen Bereich der Wahrheitsfragen außerwissenschaftliche Wertungen rigoros auszuschalten!

Die Poppersche These lässt sich nun noch präzisieren:

Nicht-Epistemische Wertüberzeugungen dürfen keinen Einfluss bei

Geltungsfragen bezüglich einer Hypothese haben.

Anders ausgedrückt: Wissenschaftliche Methoden müssen mindestens so ausgelegt sein, dass nicht-epistemische Wertüberzeugungen keinen Einfluss auf die Akzeptanz oder Zurückweisung von Hypothesen und Theorien haben.

Die Wertfreiheitsthese sagt nach Popper also nur aus, dass bestimmte Bereiche der Wissenschaft (Bereiche der Geltungsfragen) frei von bestimmten Werten (frei von nicht-epistemischen Werten) Werten sein sollten. Die so verstandene poppersche Wertfreiheitsthese scheint mir sehr vernünftig und dringlich!

Sie setzt dann natürlich die Distinktion zwischen nicht-epistemischen und  epistemischen Werten voraus, die z.B. von Helen Longino scharf kritisiert wurde.

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