„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

René Descartes

René Descartes (*31. März 1596 in Descartes; †11.02.1650 in Stockholm) war ein bedeutender französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler. Er gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, den Baruch de Spinoza, Nicolas Malebranche und Gottfried Wilhelm Leibniz kritisch-konstruktiv weitergeführt haben. Sein Denken wird Cartesianismus genannt.

René Descartes
René Descartes

Descartes wurde am 31. März 1596 als drittes Kind einer kleinadeligen Familie in der Touraine geboren. Sein Vater war Joachim Descartes, ein Conseiller am Obersten Gerichtshof der Bretagne in Rennes. Seine Mutter hieß Jeanne Brochard und starb bereits am 16. Mai 1597 bei einer Geburt zusammen mit dem Kind.

Seine Kindheit verbrachte Descartes bei seiner Großmutter mütterlicherseits und einer Amme, die ihn erzog und überlebte. Mit acht Jahren kam er als Internatsschüler auf das jesuitische Collège Henri-IV de La Flèche, das er acht Jahre später mit einer klassischen sowie mathematischen Ausbildung verließ.

Ab 1612 nahm Descartes ein Studium der Rechtswissenschaft in Poitiers auf und legte dort 1616 ein juristisches Examen ab. Er startete jedoch keine juristische Karriere, sondern absolvierte an einer Pariser Académie einen Lehrgang in Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen und verdingte sich noch im selben Jahr 1616 bei dem Feldherrn Moritz von Nassau im niederländischen Breda.

Dort begegnete er dem sechs Jahre älteren Arzt und Naturforscher Isaac Beeckman, der ihn für die Physik begeisterte. Descartes widmete ihm sein erstes wissenschaftliches Werk, das Musicæ compendiumNach Reisen durch Dänemark und Deutschland verdingte sich Descartes 1619 erneut als Soldat, nun bei Herzog Maximilian von Bayern, unter dem er an den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges und so auch an der Eroberung Prags 1620 teilnahm.

1620 hängte Descartes den Soldatenrock an den Nagel, machte eine Pilgerfahrt nach Loreto. In den Jahren darauf unternahm er mehrmonatige Reisen durch Südwesteuropa, wobei er mit den Menschen ins Gespräch zu kommen suchte.

Im Jahre 1625 ließ sich Descartes in Paris nieder. Dort las er viel und schrieb. Er verkehrte in gehobener intellektueller GesellschaftInsbesondere beeindruckte er Kardinal Pierre de Bérulle, den Staatsratsvorsitzenden, so sehr, dass er zu einer Privataudienz eingeladen wurde. Nach dieser forderte de Bérulle Descartes auf, seine Theorien auszuarbeiten und die Philosophie zu reformieren.

Vermutlich aufgrund der größeren geistigen Freiheit, die dort herrschte, zog sich Descartes 1629 in die Niederlande zurück. Hier verbrachte er relativ zurückgezogen die nächsten 18 Jahre seines Lebens. Mit einem der Dienstmägde bekam er in der Zeit eine Tochter, die fünfjährig starb. Descartes bezeichnete den Tod seiner Tochter Francine als "den größten Schmerz seines Lebens". 

Während seiner Zeit in den Niederlanden arbeitete Descartes an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen zwingenden Gottesbeweis zu führen hoffte. Er legte das Projekt jedoch beiseite und widmete sich dem naturwissen-schaftlichen Werk "Traité du Monde". Er ließ es jedoch unvollendet, als er vom Schicksal Galileo Galileis nach dessen Arbeiten zu Keppler und Kopernikus erfuhr.

1637 publizierte Descartes anonym das populärwissenschaftliche "Discours de la méthode", das langfristig sein wirksamstes Buch werden sollte. Vier Jahre später erschien "Méditations sur la philosophie première", in dem er die Existenz Gottes und der Seele zu beweisen versuchte. Diese Schriften sowie die epochale "Principia philosophiae" wurden erst später in das Französische übersetzt.

Bei den Theologen in den Niederlanden stießen sie auf heftige Ablehnung. Descartes erwog deshalb einen Umzug nach England und musste öfters  fluchtartig nach Frankreich reisen. Im Spätsommer 1649 folgte er einer Einladung der jungen Königin Christina von Schweden, mit der er seit etwa 1645 Briefe gewechselt hatte. In Stockholm erklärte er ihr dann seine Philosophie.

1663 wurden die Schriften Descartes’ vom Heiligen Stuhl auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt. Nach seinem Tod kamen Klagen auf, er habe bei seinen naturwissenschaftlichen Studien keinen Raum für Gott gelassen. Auf die Indizierung folgte eine lange Reihe von Verboten, u.a. 1691 der königliche Bann gegen die Verbreitung des Cartesianismus an französischen Schulen.

Anfang Februar 1650 erkrankte Descartes vermutlich an einer Lungenentzündung und starb zehn Tage später im Haus des französischen Botschafters.

Siehe auch


Impressum | Datenschutz | Cookie-Richtlinie | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.