„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Mikroreduktion

Eine Mikroreduktion liegt vor, gdw. die Eigenschaften eines Systems aus den Eigenschaften seiner Teile abgeleitet werden können. Das heißt aus:

a.    Den Eigenschaften der Teile in Isolation.

b.    Dem raumzeitlichen Arrangement der Teile.

c.    Den Wechselwirkungen zwischen den Teilen.

1. Beispiel Uhr: Eine Uhr besteht aus sichtbaren (Ziffernblatt, Zeiger, Knöpfe etc.) und unsichtbaren Teilen (Zahnräder, Schrauben, Feder etc.). Das sichtbare Verhalten einer Uhr (Zeigerbewegung) kann mikroreduziert werden auf:

a.    die Eigenschaften der Bauteile Isolation (Form, Härte, etc.).

b.    Die raumzeitliche Anordnung der Bauteile (Aufbau der Uhr).

c.    Den Wechselwirkungen zwischen diesen Teilen (Mechanismus der Uhr).

Also: Eine Uhr ist nichts anderes als ein bestimmtes Arrangement ihrer Bauteile.

2. Beispiel Temperatur: Die Temperatur eines Stoffes kann mikroreduziert werden auf die mittlere kinetische Energie seiner Moleküle oder Atome. D.h. auf:

a.    Den Eigenschaften der Moleküle in Isolation.

b.    Dem raumzeitlichen Arrangement der Moleküle.

c.    Den Wechselwirkungen zwischen den Teilen.

Also: Temperatur ist nichts anderes als mittlere molekulare Bewegungsenergie.

Denn: Unser Temperaturbegriff erschöpft sich in einer kausalen Rolle. Und die mittlere Bewegungsenergie der Moleküle eines Stoffes spielt diese kausale Rolle. 

Frage: Sind alle Dinge auf ihre Teile mikroreduzierbar?

Das Putnam-Oppenheim-Schema bejaht diese Frage. Nach ihm ist das gesamte  Universum nicht mehr als die Summe seiner (Elementar-)Teile:

https://www.youtube.com/watch?v=Gt_J5wKJ1-k
https://www.youtube.com/watch?v=Gt_J5wKJ1-k

Es gibt jedoch mindestens drei Phänomene, bei denen prinzipielle Argumente für eine Nicht-Mikroreduzierbarkeit diskutiert werden:

1. Eigenschaften von lebendigen Systemen.

2. Eigenschaften von bewussten Systemen.

3. Eigenschaften von verschränkten Quantensystemen.

Wenn eine dieser oder überhaupt eine Eigenschaft nicht reduktiv erklärbar ist, dann ist diese Eigenschaft eine stark-emergente Eigenschaft.

Siehe auch:

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