Pragmatik

Die Pragmatik (auch: Pragmalinguistik) beschäftigt sich mit der "nicht-wörtlichen" bzw. "kontextabhängigen" Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken.

Sie wird in der Bedeutungstheorie von der Semantik und Syntax unterschieden.

1. Einführung

Ludwig Wittgenstein entwickelte in den Philosophischen Untersuchungen eine Bedeutungstheorie, nach der die Bedeutung eines Ausdrucks sein Gebrauch ist:

„Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes »Bedeutung« ‐ wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung ‐ dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“
- Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen (1953), 
§43

Wenn Bedeutung gleich Gebrauch ist, dann folgt: Ob der Ausdruck "sataa" ein bedeutungsvoller Ausdruck in der finnischen Sprache ist, hängt davon ab, ob "sataa" einen eingeführten Gebrauch in der finnischen Sprache besitzt.

Was ein Ausdruck bedeutet hängt also davon ab, wie er gebraucht werden kann.

Und wer die Bedeutung eines Wortes lernt, der lernt, wie man es verwendet.

Das ist alles mehr oder minder unstrittig.

Lässt sich aus der Gebrauchstheorie der Bedeutung nicht mehr machen?

Zwei Perspektiven auf Sprache:

1. Sprache ist ein Mittel der Repräsentation und  Informationsübermittlung. In der Hauptsache dient sie dazu, andere über Sachverhalte zu informieren.

2. Eine Sprache zu sprechen heißt, Handlungen zu vollziehen, an einer  Tätigkeit oder einer Lebensform teilzuhaben.

Frage: Schließen sich die beiden Perspektiven aus? Nein.

Die erste ist die Perspektive der Semantik – der Theorie sprachlicher Bedeutung.

Die zweite ist die Perspektive der (jenseitigen) Pragmatik – der Theorie der Sprachverwendung.

Diese beiden Perspektiven ergänzen einander. In einer vollständigen Theorie von Sprache benötigen auf jeden Fall neben einer akzeptablen Semantik eine durchdachte Pragmatik.

„Wieviele Arten der Sätze gibt es aber? Etwa Behauptung, Frage und Befehl? ‐ Es gibt unzählige solcher Arten: unzählige verschiedene Arten der Verwendung alles dessen, was wir »Zeichen«, »Worte«, »Sätze«, nennen. Und diese Mannigfaltigkeit ist nichts Festes, ein für allemal Gegebenes; sondern neue Typen der Sprache, neue Sprachspiele, wie wir sagen können, entstehen und andre veralten und werden vergessen. (Ein ungefähres Bild davon können uns die Wandlungen der Mathematik geben.)

Stand: 2019

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