Holismus

Holismus (altgr. ὅλος holos "ganz") ist eine These in Bezug auf Ganze, Teile und ihre Eigenschaften. Dabei ist ein Ganzes grob gesagt holistisch, genau dann wenn es mehr ist als die Summe der intrinsischen Eigenschaften seiner Teile.

Holismus und Atomismus, generell gefasst, sind beides Thesen über den Aufbau komplexer

Systeme – um Systeme welcher Art auch immer es sich handeln mag. Als ein komplexes

System soll hier alles und nur dasjenige gelten, welches Teile hat.

Holismus ist ein zentraler Begriff in der Naturphilosophie und Metaphysik. Ein System S ist dabei grob gesagt holistisch, genau dann wenn es mehr ist als die Summe der 'intrinsischen Eigenschaften' seiner Teile.
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1. DEFINITION DES HOLISMUS
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2. FORMEN DES HOLISMUS

Er wird oft als Gegenthese zum naturphilosophischen Atomismus verstanden.

Die Habilitationsschrift von Michael Esfeld bildet nach wie vor die beste systematische Auseinandersetzung mit dem Holismus.
Die Habilitationsschrift von Michael Esfeld bildet nach wie vor die beste systematische Auseinandersetzung mit dem Holismus.

Aristotle in the Metaphysics: "The whole is more than the sum of its parts".

Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
(
Goethe, Faust I) [1]


1. Einführung

Grundidee: .Betrachten wir die Teile , die in einem bestimmten Arrangement stehen und so das Ganze bilden.
Der Holismus vertritt die Auffassung, dass ein System nicht vollständig aus dem Zusammenwirken aller seiner Einzelteile verstanden werden kann (top-down),

Ein Beispiel für ein System ist eine wissenschaftliche Theorie. Die Teile dieser Theorie sind Begriffe und ihre Eigenschaften sind Bedeutungen.

Der Ausdruck System wird fortan in einem sehr weitem Sinne gebraucht, gemäß dem alles, von dem Eigenschaften prädiziert werden können, ein System ist.
Ein Ganzes ist ein System mit Teilen. Ein Teil ist immer ein eigentlicher Teil.
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Die Teile brauchen nicht

einer eigenständigen Existenz fähig zu sein. Aber es muss im Prinzip möglich sein, auf Teile

 

Bezug zu nehmen, indem Teilen irgendwelche Eigenschaften zugesprochen werden.
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Um einen Konflikt mit dem in der Logik gebräuchlichen Begriff eines Teils, der transitiv ist, zu vermeiden, können wir von konstituierenden Teilen oder, kurz, Konstituenten sprechen.

Betrachten wir nun ein beliebiges System der Art S und seine Teile T1, T2Tn Dann ist S ein atomistisches System, gdw. gilt: Alle Eigenschaften von S können auf die intrinsischen Eigenschaften von T1 … Tn reduziert werden. Das System S ist demzufolge nicht mehr als ein Aggregat seiner Teile T1 … Tn.

 

Wenn von etwas behauptet wird, dass in ihm in keinem Sinne Teile unterschieden werden können, dann ist dieses kein Kandidat für ein holistisches System. Es handelt sich dann um ein Atom im wörtlichen Sinne.

 

 

Anti-holism: Consider the parts of a systemS, each part being isolated from the others. Then when each part p of S combines with the other parts to form S as a whole, the properties of the part p within S follow from the properties of p in isolation or iii simpler systems than S. Furthermore, any property of S must follow from properties of the parts ofS.20 ///  For examples of this principle see Broad (1925, 59) and Stephan (1999, 51). Broad's original formulation mentions "in other combinations;' rather than "simpler systems:' thereby allowing more, as well as less, complex systems than S, but that more general position eliminates some emergent features that result from threshold effects.

Dagegen ist S ein holistisches System, gdw. gilt: Eine charakteristische Eigenschaften von S kommen nicht seinen Teile T1 … Tn in Isolation zu. Sie tauchen nur dann auf, wenn T1 … Tn so arrangiert sind, dass sie S bilden. Das System S ist daher mehr als die Summe der intrinsischen Eigenschaften der Teile.

 

Man vertritt demgegenüber einen Holismus, wenn man behauptet, dass die Dinge, die Teile des Ganzen sind, die Eigenschaften, die für diese Dinge charakteristisch sind, nur im Ganzen haben.

 

 

In der Philosophie unterscheidet man verschiedene Stufen der Emergenz. Grundlegend bei allen Stufen ist die Aussage, dass eine emergente Eigenschaft dann vorliegt, wenn kein Bestandteil des untersuchten Systems diese Eigenschaft hat. Die Eigenschaft ergibt sich also erst nach dem Zusammenfügen der Elemente zu einem System. Man spricht daher von einer systemischen Eigenschaft.

(E) Die Makroeigenschaft E eines komplexen Systems S mit der Mikrostruktur [C1, …, Cn; R] ist emergent, gdw.:

(a) Der Satz "Alle Systeme mit der Mikrostruktur [C1, …, Cn; R] haben die Eigenschaft E" ein wahres Naturgesetz ist[2], aber:

(b) Die Eigenschaft E kann prinzipiell nicht aus der Kenntnis all der Eigenschaften abgeleitet werden, die die Komponenten C1, …, Cn isoliert oder in anderen Anordnungen besitzen.


(R) Eine Makroeigenschaft E von S ist genau dann reduktiv erklärbar, wenn E aus der vollständigen Kenntnis der Eigenschaften deduziert werden kann, die die Komponenten C1, ¼, Cn isoliert oder in anderen Anordnungen haben.

(E) Eine Makroeigenschaft E von S ist genau dann emergent, wenn zwar alle Systeme mit der Mikrostruktur [C1, ¼, Cn; R] die Eigenschaft E haben (müssen), E aber nicht aus der vollständigen Kenntnis der Eigenschaften deduziert werden kann, die die Komponenten C1, ¼, Cn isoliert oder in anderen Anordnungen haben.

 

This principle attempts to capture the idea that there is nothing that S as 'VWhole contributes to its properties. In contrast, if, for some property P to be present in. S, it is necessary for all of the components of S to be in place and to stand in the relations that make S what it is, then there is some ontological or epistemic aspect of S that requires S to be considered as a whole, and this runs counter to reductionist approaches. Much depends on what counts as "follows from:' Often, this is taken to be "is predictable from'' ; in other cases, it is taken to be "is determined by:' In Broad's characterization, what you need for a mechanistic account is, first, the possibility of knowing the behavior of the whole system on the basis of knowledge of the pairwise interactions of its parts; and, second, knowledge that those pairwise inter,actions between the parts remain invariant within other combinations. If these two items of knowledge give you knowledge of the features of the whole system, then it is not an emergent system. One way in which anti-holism can fail is when configurational forces appear in a system, and, as Butterfield (2012, 105) has pointed out, configurational forces are those that are not determined by the pairwise interactions between the elements of the system. 21 21 Much of McLaughlin's account of British emergentism (McLaughlin 1992) is constructed around the idea of configurational forces.

2. Eine gehaltvolle Konzeption

Propositionaler Holismus

Quanten-Holismus

Michael Esfeld: Naturphilosophie als Metaphysik der Natur, S. 128-129: Der Strukturenrealismus ist eine Form des naturphilosophischen Holismus. Quantenobjekte, die durch Relationen der Zustandsverschränkungen miteinander verbunden sind, sind ein holistisches System, ebenso wie die Gesamtheit der Raumzeitpunkte, die durch metrische Relationen miteinander verbunden sind. Der Begriff des Holismus bedeutet nicht, dass vertikal eine Art Determination von oben stattfindet, indem höherstufige Eigenschaften des Ganzen niederstufige Eigenschaften von dessen Teilen determinieren. Der Holismus kann vielmehr als eine horizontale These verstanden werden: Er bezieht sich auf die konstitutiven Eigenschaften der Objekte, die Teil eines bestimmten Ganzen sind. Ein Gesamtobjekt ist genau dann holistisch, wenn die Objekte, die das Ganze bilden, in Bezug auf einige der für sie konstitutiven Eigenschaften davon ontologisch abhängig sind, dass es andere Objekte gibt, mit denen sie ein Ganzes der betreffenden Art bilden. Die Objekte, die das Ganze bilden, haben, kurz gesagt, einige der für sie konstitutiven Eigenschaften nur innerhalb des Ganzen. Die betreffenden Eigenschaften sind mithin relationale Eigenschaften. Sie bestehen in Beziehungen der Objekte untereinander, welche das betreffende Ganze bilden (siehe Esfeld (2002), Kapitel I, vor allem S. 33). Der Strukturenrealismus erfüllt diese Definition des Holismus.

Fußnoten

[1] Der Ausdruck "System" wird hier in einem sehr weiten Sinne gebraucht, gemäß dem alles, von dem Eigenschaften prädiziert werden können, ein System ist. Selbst ein Atom im wörtlichen Sinne ein System, insofern Eigenschaften von ihm ausgesagt werden können.

Siehe auch

Bestätigungs-Holismus

Emergentismus
Kohärenztheorie der Rechtfertigung
Quanten-Holismus

Reduktionismus

Semantischer Holismus

Hauptliteratur

Esfeld, Michael (2001). Holism in Philosophy of Mind and Philosophy of Physics. Berlin: Springer.

Stand: 2021

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