Disposition

André Karwath (CC BY-SA 2.5)
André Karwath (CC BY-SA 2.5)

1. Einführung

Der australische Philosoph Frank Jackson schreibt:[39]

„When physicists tell us about the properties they take to be fundamental, they tell us about what these properties do. This is no accident. We know about what things are like essentially through the way they impinge on us and on our measuring instruments.“
- Frank Jackson: From Metaphysics to Ethics. A Defense of Conceptual Analysis (1998), S. 23.

Jackson spricht hier einen wichtigen Punkt an. Die Welt ist irgendwie beschaffen. Das heißt sie besitzt gewisse Eigenschaften im Sinne von Qualitäten. Und wir können diese Eigenschaften im Alltag und in den Wissenschaften nur erkennen, insofern diese in kausalen zu uns Beziehungen stehen. Etwas abstrakter gesprochen gilt offenbar EP:

Empiristisches Prinzip (EP): Ein Subjekt S besitzt einen epistemischen Zugang zu einer beliebigen Eigenschaft der Art G nur durch – und damit in Abhängigkeit von - den insbesondere kausalen Beziehungen, in denen Vorkommnisse von G zu anderen Eigenschaften und letztendlich zum Erkenntnisapparat von S stehen.[40]

Hier ist ein einfaches Beispiel: Es liegt ein runder Gegenstand vor mir. Dann ist es naheliegend, davon auszugehen, dass ich durch dieses Vorkommnis einen epistemischen Zugang zur Eigenschaft Rundsein wie folgt erlangen kann: Die Oberflächenpunkte des Gegenstandes und die Objekte hinter ihm reflektieren Lichtstrahlen mit unterschiedlichen Wellenlängen, dieses treffen auf meine Netzhaut und verursachen bestimmte elektrochemische Reaktionen in meinem Nervensystem, welche wiederum die Wahrnehmung eines runden Gegenstandes in mir hervorrufen. Es mag noch andere (viel indirektere) Zugänge zu der Eigenschaft Rundsein für mich geben, aber es scheint schlichtweg keiner denkbar, der nicht in einer kausalen Relation zwischen mir und Vorkommnissen dieser Eigenschaft besteht. Deshalb ist das Prinzip EP so plausibel.

Innerhalb der Metaphysik der Eigenschaften unterscheidet man zwischen:

- Eine Eigenschaft F ist eine kategoriale Eigenschaft, gdw. das Wesen von F unabhängig von den kausalen (und nomologischen) Relationen ist, in denen F manifestiert wird oder sich manifestieren kann.

- Eine Eigenschaft F ist eine dispositionale Eigenschaft, gdw. das Wesen von F in der Disposition oder Kraft besteht, bestimmte kausale (und nomologische) Wirkungen hervorzubringen.

Wenn wir die fundamentalen Eigenschaften als kategorial begreifen, hat dies eine sonderbare Konsequenz, für welche in der Literatur der lateinische Ausdruck "quidditas" gebraucht wird.[46] Denn eine beliebige kategoriale Eigenschaftsart kann in beliebigen kausalen (und nomologischen) Relationen stehen. Daraus und aus EP folgt, dass wenn wir die fundamentalen Eigenschaften als kategorial begreifen, wir keinen Zugang zum Wesen der fundamentalen Eigenschaften haben können. Denn wir erlangen einen solchen nur in Abhängigkeit zu kausalen und nomologischen Relationen und das Wesen von kategorialen Eigenschaften ist unabhängig von diesen. Das Wesen einer kategorialen Eigenschaft muss folglich in einer unerkennbaren "primitiven Washeit" bestehen.

Das kann mithilfe des nachstehenden Gedankenexperiments illustriert werden:[47] Es sei G die Eigenschaftsart, die in der möglichen Welt w1 als Ladung und H die Eigenschaftsart, die in w1 als Masse charakterisiert wird. Dann gibt es gemäß der Humeschen Metaphysik eine mögliche Welt w2, die w1 weitestgehend gleicht, außer dass die kausalen und nomologischen Rollen von Ladung und Masse gegenüber w1 vertauscht sind. Das heißt: In w2 stehen Eigenschaften der Art G in den kausalen und nomologischen Relationen, in denen die Eigenschaften der Art H in w1 stehen und umgekehrt. Es gibt damit einen metaphysischen Unterschied zwischen den Welten w1 und w2. Dieser macht gemäß dem Prinzip EP aber keinen epistemisch feststellbaren Unterschied zwischen w1 und w2, weil beide Welten hinsichtlich ihrer Relationen vollkommen identisch sind. Man spricht in solchen Fällen auch von einem "haeccistischen Unterschied" zwischen w1 und w2. Wenn wir also davon ausgehen, dass EP wahr ist und wir eine der Welten w1 oder w2 bewohnen, dann können wir prinzipiell nicht wissen, welche dieser Welten die unsere ist.

Jackson selbst ist Befürworter des Kategorialismus und akzeptiert diese Konsequenz:

„However, it does suggest the possibility that (i) there are two quite different intrinsic properties, P and P*, which are exactly alike in the causal relations they enter into, (ii) sometimes one is possessed and sometimes the other, and (iii) we mistakenly think that there is just one property because the difference does not make a difference (as the point is put in information theory). An obvious extension of this possibility leads to the uncomfortable idea that we may know next to nothing about the intrinsic nature of our world. We know only its causal cum relational nature.

- ebd, S. 23 – 24.

2. Eine Metaphysik von Dispositionen

3. Eine Metaphysik mit Dispositionen

Stand: 2021

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